Gymnasium Burgdorf

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PlakatHexenjagd

Das Stück

Hexenjagd spielt im Jahre 1692 in Salem, einer damals streng puritanischen Gemeinde im amerikanischen Staat Massachusetts.

Pastor Parris, der Geistliche des Ortes, hat seine Tochter Betty, seine Nichte Abigail Williams und einige andere Mädchen entdeckt, wie sie im Wald zu den Liedern der noch im Heidnischen verwurzelten Negersklavin Tituba tanzten. Er meint sogar, einige nackt gesehen zu haben.

Einige der Kinder, Parris' Tochter Betty und auch Ruth Putnam, scheinen sich nicht von dem Schock der Entdeckung zu erholen. Sie werden ohnmächtig und krank. Da die "Krankheiten" der Kinder nicht von Ärzten zu erklären sind, entsteht schnell das Gerücht von übernatürlichen Ereignissen, von Teufelsbeschwörung und Hexerei.

HeenjagdPastor Parris beauftragt Pastor Hale, einen Teufelsspezialisten, der Krankheit seiner Tochter auf den Grund zu gehen. Die Mädchen, allen voran Abigail, merken sehr schnell, dass sie sich selbst vor Strafe bewahren können, wenn sie andere beschuldigen, sie zu ihrem verbotenen Tun getrieben zu haben. Sie nennen wahllos Namen von Gemeindemitgliedern, die angeblich mit dem Teufel im Bund stehen, und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Vor Gericht treten die Mädchen als Zeuginnen auf und denunzieren an jedem Prozesstag neue angebliche Hexen, die daraufhin verhaftet werden. Der Bauer John Proctor durchschaut jedoch diese Lügen und warnt davor, den Anklagen der Mädchen Glauben zu schenken. Abigail jedoch, die auf Proctors Hof als Magd gedient und mit Proctor ein intimes Verhältnis gehabt hat, will Proctors Frau werden und bezichtigt Elizabeth Proctor der Hexerei.

Proctor versucht mit Hilfe seiner Magd Mary Warren, seine Frau zu retten und vor Gericht zu beweisen, dass Abigail und die Mädchen lügen. Anfangs gesteht Mary, dass das Verhalten der Mädchen Vortäuschung ist, doch unter dem Druck der Mädchen und einem neuen gespielten Anfall kann sie die Wahrheit nicht durchhalten. Sie beschuldigt nun Proctor, mit dem Teufel im Bund zu sein und sie zum Geständnis gezwungen zu haben. Proctor wird sofort verhaftet und zum Tod verurteilt. Er bekommt jedoch noch eine Chance, sein Leben zu retten: Er muss sein Bündnis mit dem Teufel eingestehen. Doch kann er es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, sein Leben für eine Lüge zu erkaufen. Somit ist sein Schicksal besiegelt ...

Die verhängnisvolle Eigendynamik der Ereignisse zeigt sich auch besonders am Verhalten der kirchlichen Vertreter. Während Pastor Parris aus Angst um Ruf und Stellung den Geschehnissen tatenlos zusieht, reicht den ehrenwerten Richtern Hathorne und Danforth das angeblichen Wissen der noch kindlichen Mädchen, um Menschen als Hexen anzunehmen und zu verurteilen. Nach Beginn und Verselbstständigung des Prozesses verharren sie in ihrer starren Haltung und glauben, nicht mehr zurück zu können. Ihre Eitelkeit und Unfähigkeit, als Autoritätspersonen ihren Irrtum einzugestehen, macht es ihnen unmöglich, das Aburteilen von unschuldigen Bürgern zu beenden. Nur Pastor Hale kommt zur Einsicht und versucht Leben zu retten, doch er muss verzweifelt erkennen, dass der Wahn stärker ist als alle Vernunft.


Die Personen und ihre Darsteller in der Reihenfolge ihres Auftritts:

Pastor Parris, Pastor in Salem, Massachusetts

Sören Wilke (11. Jg.)

Betty Parris, seine Tochter

Julia Badstübner (9. Jg.)

Tituba, Parris' Negersklavin und Dienstmädchen

Kirsten Ebeling (10. Jg.)

Abigail Williams, Parris' elternlose Nichte

Christine Fitz (10. Jg.)

Susanna Walcott, Freundin von Abigail und Betty

Katharina Reisch (9. Jg.)

Ann Putnam, Frau von Thomas Putnam

Natalie Rheinhardt (9. Jg.)

Thomas Putnam, wohlhabender Salemer Gutsbesitzer

Conny Thees (8. Jg.)

Mercy Lewis, Putnams Dienstmädchen

Susanne Lersch (9. Jg.)

Mary Warren, Proctors Dienstmädchen

Katharina Grabi (11. Jg.)

John Proctor, Bauer in Salem

Klaas Hagemann (10. Jg.)

Rebecca Nurse, Frau von Francis Nurse

Sonja Junge (9. Jg.)

Giles Corey, Bauer in Salem

Edmund Fitz (11. Jg.)

Pastor Hale, Hexenspezialist

Philip Nolte (12. Jg.)

Elizabeth Proctor, John Proctors Frau 

Stella Rüger (9. Jg.)

Francis Nurse, Landbesitzer

Lukas Nolte (9. Jg.)

Ezekiel Cheever, Gerichtsschreiber

Henrik Kröger (11. Jg.)

John Willard, Gerichtsdiener

Artur Wachtel (12. Jg.)

Richter Hathorne, Pastor und Richter im Hexenprozess

Michael Weber (12. Jg.)

Richter Danforth, Stellvertreter des Gouverneurs und oberster Richter im Hexenprozess

Michael Gieseler (12. Jg.)

Martha Corey, Frau von Giles Corey

Anna-Lena Schill (9. Jg.)

Ruth Putnam, Tochter der Putnams

Melanie Brinkmann (9. Jg.)

Sarah Good, eine Bettlerin

Anna-Lena Schill (9. Jg.)

Beleuchtung/Technik

Christoph Grotjahn, Alexander Jung (11. Jg.)

Musik

Artur Wachtel, Philip Nolte (12. Jg.), Nils Janßen (8. Jg.)

Plakatidee/Programmheft

Christa Reinicke

Plakatgestaltung

Hans-Jörg Reinicke

Maske

Lena Loock, Kira Baule

Regie/Gesamtleitung

Christa Reinicke


Arthur Miller starb am 10. Februar 2005 im Alter von 89 Jahren. Er wurde u.a. bekannt und berühmt durch seine Stücke Tod eines Handlungsreisenden (Death of a Salesman) und Hexenjagd (The Crucible).
Seine Werke gelten als soziale Studien über den zunehmenden Zerfall der amerikanischen Gesellschaft und beschäftigen sich vor allem mit Themen wie Familie, Moral und der persönlichen Verantwortung des Einzelnen. Für das Drama Tod eines Handlungsreisenden, das später mit Dustin Hoffman in der Rolle des Willy Loman verfilmt wurde, erhielt Miller 1949, gerade einmal 33 Jahre alt, den Pulitzer-Preis.

Historischer Hintergrund und Aktualität des Stückes

Das Stück Hexenjagd basiert auf tatsächlichen Ereignissen; die Figuren der historischen Hexenverfolgung hat Miller namentlich übernommen.

Die Bewohner von Salem im Jahre 1692 sind Nachfahren der Pilgrim Fathers, englische Puritaner, die im Jahre 1620 an Bord der Mayflower nach Amerika emigrierten. Nach puritanischem Glauben war das Leben kein Vergnügen, sondern harte Arbeit. Jegliche Vergnügungen wie Feiern, Tanzen oder selbst Bücherlesen waren verboten. Die Bibel bestimmte das Handeln der Menschen. Der Glaube half ihnen, das schwere Leben in einem unbekannten, bedrohlichen Land durchzustehen, aber sie waren auch fanatisch darauf bedacht, ihr "Neues Jerusalem", das sie aufbauen wollten, nicht durch "falsche" Wege und trügerische Gedanken zu entehren und zu verderben.

"Die Salemer", so Miller, "errichteten für hohe Ziele eine Theokratie, eine Kombination von staatlicher und religiöser Macht, deren Funktion es war, die Gemeinschaft zusammenzuhalten und jegliche Uneinigkeit zu verhindern."

Die Mädchen, die heimlich, teilweise nackt, im Wald tanzten, wussten, dass ihr verbotenes Tun extreme Strafen nach sich ziehen konnte (z.B. Auspeitschen). So täuschten sie Anfälle vor, um der Bestrafung zu entgehen, und, als das Gerücht von Hexerei aufkam, waren sie fast logischerweise froh, die Schuld auf andere abwälzen zu können. Die Dorfbewohner, beständig in Angst vor einer möglichen Bedrohung ihrer religiösen Gemeinschaft durch dunkle Mächte, waren wiederum froh, eine Erklärung für die mysteriösen "Krankheiten" der Kinder gefunden zu haben.

150 Personen wurden auf die Aussagen der Mädchen hin verhaftet, 30 davon zum Tode verurteilt. 19 wurden gehängt, eine zu Tode gefoltert, zwei starben im Gefängnis. Etliche legten ein falsches Geständnis ab, um ihr Leben zu retten. Die anderen wurden später begnadigt, nachdem der Gouverneur aufgrund zunehmender Kritik an der Beweisführung ein neues Gericht einberufen hatte.

Einige der Mädchen leisteten öffentlich Abbitte, ebenso Pastor Hale. Elizabeth Proctor heiratete noch einmal; Abigail Williams tauchte angeblich später in Boston als Prostituierte auf.

Erst im Jahre 1711, als die Kinder der Opfer schon herangewachsen waren, wurde eine materielle Entschädigung von ca. £600 bewilligt, wovon John Proctors Familie mit £150 den höchsten Einzelanteil erhielt.

Arthur Miller, 1915 als Sohn eines jüdischen Einwanderers in New York geboren, wurde nachhaltig geprägt durch die Depressionszeit der 30erJahre, nachdem die Textilfabrik des Vaters ruiniert worden war. Diese Erfahrung und seine jüdische Erziehung weckten Millers kritisches Bewusstsein. 1947 gelang ihm der Durchbruch am Broadway mit dem Drama All My Sons (Alle meine Söhne). Zentrale Themen wie die Konfrontation mit der Lebenslüge, der Vater-Sohn-Konflikt und die mit beidem verknüpfte Verdrängung persönlicher und gesellschaftlicher Verantwortung wurden in Death of a Salesman (Tod eines Handlungsreisenden) wieder aufgenommen, für das Miller 1949 u.a. den Pulitzer-Preis erhielt. 1953 erschien The Crucible (Hexenjagd), nachdem sich Miller intensiv mit der Thematik und den real-historischen Ereignissen befasst hatte.

Hexenjagd ist ein Stück über den Hexenwahn in der frühen Neuzeit, aber es ist auch ein Stück über gesellschaftliche Erscheinungen, die in unserer Zeit immer wieder auftreten können. Es wendet sich gegen Angst und Massenwahn, gegen Denunziation, Gesinnungsschnüffelei und gegen den Missbrauch politischer Macht.

Thematik des Stückes und soziales Engagement trugen dazu bei, dass Miller in den 50er Jahren zur Zeit des McCarthyismus als Amerikagegner verdächtigt wurde. Er sollte zur Aufdeckung antiamerikanischer Umtriebe Namen von Personen zu nennen, die an kommunistischen Schriftstellertreffen teilgenommen hätten. Er verweigerte die Aussage und wurde wegen "Missachtung des Kongresses" zu einer Gefängnis- und Geldstrafe verurteilt. Das Urteil wurde ein Jahr später aufgehoben.

Miller starb am 10. Februar 2005 im Alter von 89 Jahren.


Folgende Aufführungen finden in der Aula des Gymnasiums Burgdorf statt:

Eintritt:

Erwachsene: 4 €.

Schüler: 2 €.


In Burgdorf geht es den Hexen an den Kragen

Theater-AG des Gymnasiums Burgdorf spielt "Hexenjagd"

Der amerikanische Autor Arthur Miller verarbeitete in dem Stück die Kommunistenjagd im Amerika der fünfziger Jahre.

von robert kolm

Szenenfoto "Hexenjagd"
Michael Weber, Michael Gieseler und Stella Rüger
(von links) proben die "Hexenjagd". Kolm

Burgdorf. "Ich bin sehr zufrieden, bislang ist alles glatt gelaufen", sagt Christa Reinicke. Die 56-Jährige ist Leiterin der Theater-AG des Gymnasiums Burgdorf und genau wie ihre Schützlinge schon ganz aufgeregt. Am Donnerstag, 7. Juli, werden sie ab 19 Uhr die Premiere ihres aktuellen Stückes Hexenjagd des im Februar verstorbenen amerikanischen Autors Arthur Miller feiern. Eine zweite Aufführung ist für Freitag, 8. Juli, ebenfalls ab 19 Uhr angesetzt. 21 Darsteller aus den Jahrgängen acht bis zwölf haben sich dafür in historische Kostüme gezwängt. Gestern stand die Generalprobe auf dem Programm.

Hexenjagd spielt im Jahre 1692 in der puritanischen Gemeinde Salem an der amerikanischen Ostküste. Der Pastor des Dorfes ertappt eines Nachts einige Mädchen der Gemeinde beim heidnischen Tanz im Wald. Da diese Art des Vergnügens nach puritanischem Glauben streng verboten ist, reagieren die jungen Frauen aus Angst vor Strafe mit Ohnmacht und Krankheit, die man sich in der Gemeinde mit Hexerei erklärt.

Um einer Bestrafung zu entgehen, beschuldigen die Mädchen andere, sie zu ihrem verbotenen Tun getrieben zu haben. Sie klagen Bürger des Dorfes an, mit dem Teufel zu paktieren.

Hexenjagd beruht auf historischen Begebenheiten, ist aber zugleich ein Stück über gesellschaftliche Erscheinungen der Gegenwart, das sich gegen Massenwahn und Machtmissbrauch richtet.

HAZ, 05.07.05

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