Das Gymnasium Burgdorf in der Türkei Bestimmt kennt jeder eine in Deutschland lebende türkische Familie. Aber was weiß man deshalb schon über die Türkei? Nicht viel, lautet unsere Antwort, nachdem wir mit dem Comenius-Projekt sechs Tage dort verbracht haben. Bei diesem vorletzten Treffen der drei Partnerschulen ging es nicht um Gemälde, sondern um landestypische Filme – die Schulen hatten dazu die Filme "Goodbye Lenin", "Dondurmam Gaymak" und "los lunes al sol" ausgewählt.
Da die deutsche Vertretung ausschließlich aus weiblichen Personen bestand, sorgten wir bereits bei unserer Ankunft für Verwunderung und viele neugierige Blicke. Gleich nach dem freundlichen Empfang am Flughafen in Ankara wurde uns der nach Meinung des türkischen Koordinators größte Schatz der Hauptstadt präsentiert: die riesige, moderne und auf Hochglanz polierte "Anka-Shoppingmall"!
In den nächsten beiden Tagen erkundeten wir Imam Hatip Lisesi (die Partnerschule in Kirsehir), wurden mit türkischen Leckerbissen gemästet und probierten uns an der so genannten Ebru-Art, einem batikähnlichen Kunststil. Natürlich demonstrierten die Lehrer und Schüler aus Spanien, Deutschland und der Türkei in mehreren Sitzungen auch die Projektergebnisse ihrer Schulen. Wir bewunderten gemalte Bilder, Powerpoint-Präsentationen, Gedichte, Fotostorys und Plakate, sogar in den Genuss einer Aufführung der türkischen Theater-AG, die einige Filmszenen nachspielte, kamen wir. Außerdem lauschten wir einem zweistündigen religiösen Musikprogramm, welches das Schulorchester - inklusive eines 15-jährigen Tom Cruise-Doubles an der Trommel - für uns eingeübt hatte.
Ungewohnterweise wurden wir in jeder freien Minute, die wir in der Schule verbrachten, von ganzen Horden türkischer Mädchen umzingelt, die uns herzlich anlächelten, ausfragten und mehrere 100 Fotos von und mit uns schossen. Aber spätestens, als sie sich mit Kameras hinter irgendwelchen Stellwänden versteckten, hatten wir vom Star-Sein wirklich genug.
In der zweiten Hälfte der Woche standen vor allem Einblicke in die türkische Kultur auf dem Programm. Während eines Tagesausflugs nach Konya, der "religiösen Hauptstadt der Türkei", besichtigten wir (unserer Schuhe entledigt) mehrere Moscheen, das Museum eines türkischen Philosophen und tranken den landestypischen schwarzen Tee in einem gemütlichen, bunten Zimmer ohne Stühle. Gegen Ende des Tages durften wir sogar einem Gottesdienst zuschauen.
Den letzten und beeindruckendsten Tag verbrachten wir in Kappadokien. Nach einer Kostprobe "Gesundheitswasser", das aus der Wand eines weiteren Philosophen-Museums sprudelte, deckten wir uns in einem kleinen Städtchen mit unzähligen Andenken ein. Die Landschaft in Kappadokien ist einzigartig: Unzählige, tropfenförmige Felsformationen in Haushöhe bedecken den Boden. Von einem riesigen Höhlen durchsetzten Fels hatten wir einen im wahrsten Sinne des Wortes umwerfenden Ausblick, denn es schneite und war so glatt, dass Ausrutscher nicht ausblieben ...
Oft hatten wir während dieser Woche Probleme mit der Kommunikation, sowohl der spanische Schulleiter als auch die meisten türkischen Lehrer und Schüler konnten kaum Englisch, aber als wir auf der letzten Busfahrt gemeinsam deutsche, spanische und türkische Lieder sangen, dachten wohl alle das gleiche: "Schade, dass es schon wieder vorbei ist."
Die Fahrt wird uns allen noch lange in Erinnerung bleiben. Es hat sehr viel Spaß gemacht, und wir möchten uns auch noch einmal bei den Lehrern für die Organisation und das Ermöglichen dieses Projektes bedanken!
Annika Wzietek