Gymnasium Burgdorf

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Austausch mit Lelkowo, Polen

Genese

"Burgdorf, das ist für uns Deutschland", war die Aussage der Deutschlehrerin Antonina Tkaczuk aus Lelkowo, die mich als Burgdorfer Lehrerin am stärksten beeindruckte. Dieser Satz ist aus einem an mich adressierten Brief zitiert, den ich im Anschluss an die gemeinsam in Burgdorf verbrachten Tage in einem Brief des Lelkowoer Gymnasiums lesen konnte.

Die Aussage hat mich äußerst positiv berührt, da sie sich auf den Aufenthalt von 15 polnischen SchülerInnen im Alter von durchschnittlich 14 Jahren und den drei begleitenden Lehrerinnen bei uns in Burgdorf bezog:

Vom 24.9.-28.9.06 war diese Gruppe, dank der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil, zu Gast in unserer schönen Stadt. Die Gymnasien aus Lelkowo und Burgdorf hatten sich Ende des Jahres 2005 entschlossen, einen gemeinsamen Schüleraustausch zu beginnen. Doch, wie sagt man so schön? Aller Anfang ist schwer!

So war es jedenfalls im Nachhinein mit unserem Schüleraustausch.

Wenige Wochen nachdem ich im Jahr 2005 an das Gymnasium Burgdorf versetzt worden war, erfuhr ich, dass ein Kontakt zum Gymnasium in Lelkowo bestand und dass unser Burgdorfer Gymnasium plante, die Ostkontakte - es besteht seit mehreren Jahren ein Schüleraustausch mit einer ungarischen Schule - zu erweitern. Da ich im privaten Bereich über Jahre Schulkontakte mit polnischen Schülern und Lehrern miterleben konnte, seit 1990 häufig Gast in Polen bei befreundeten polnischen Kollegen war und auch Seminare zum polnischen und deutschen Schulwesen besucht hatte, reizte mich die Aufgabe, mich des Schüleraustausches mit Lelkowo anzunehmen. Hinzu kam die Überlegung, dass seit vielen Jahren enge partnerschaftliche Kontakte zwischen dem Kreis Heiligenbeil und der Stadt Burgdorf, bzw. der Region Hannover, bestehen. Also gab es zunächst einen regen Briefkontakt zwischen mir und der Deutschlehrerin des Gymnasiums dort. Als deutlich wurde, dass ein Austausch auch von der Lelkowoer Schule gewünscht wurde, habe ich Frau Antonina Tkaczuk im März 2006 zu einem Vorseminar nach Burgdorf eingeladen.

Sie war Gast in meiner Familie, hatte die Gelegenheit in unserer Schule am Unterrichtsgeschehen teilzunehmen und die Schulleiterin Frau Oberstudiendirektorin R. Brunschön kennen zu lernen. Der Besuch der polnischen Kollegin wurde von uns gemeinsam genutzt, ein Austauschprogramm zu konkretisieren. Dabei wurde nicht nur theoretisiert, sondern soweit die Zeit es zuließ, war auch Gelegenheit, einige Orte in der Region in Augenschein zu nehmen. Bei der Aufstellung unseres Programms mussten wir zunächst einmal davon ausgehen, dass wenig Geld für die Realisierung zur Verfügung stehen würde. Dementsprechend haben wir uns in der Planung auf Ziele beschränkt, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Ich meine, uns ist dennoch gelungen, ein anspruchsvolles, auch für die deutschen Schüler interessantes Programm zu planen.

Es erwies sich für unsere Zusammenarbeit als durchaus vorteilhaft, dass nun zwischen uns Kolleginnen aus dem Briefkontakt eine persönliche Bekanntschaft wurde. Wir stellten schnell fest, dass wir uns gut verstanden und sahen beide dem Besuch der polnischen Schülergruppe mit gespannter Erwartung entgegen.

Diese Programm habe ich dann den am Austausch interessierten Eltern und Schülern vorgestellt, und gemäß deren Wünschen und Anregungen Ergänzungen und kleinere Korrekturen vorgenommen. Als große Hilfe erwies sich zu diesem Zeitpunkt Herr Karl-Ludwig Schrader aus Burgdorf, unser stellvertretender Bürgermeister. Zunächst einmal zeigte er unseren Eltern Photos, die er selbst im Kreis Heiligenbeil aufgenommen hatte. Das war eine gute Einstimmung auf das Vorhaben

"Schüleraustausch". Letztlich waren es zwölf Burgdorfer Schülerinnen und ein Schüler, mit denen der Austausch beginnen sollte. Ein weiterer Elternabend koordinierte die Aufgaben der beteiligten Eltern und Schüler. Alles war geregelt, Besichtigungen waren gebucht und vorbestellt, Eltern hatten Aufgaben bei der Durchführung des Programms übernommen und unsere Schüler, deren Eltern, aber auch mein Kollege und ich, warteten bereits auf unseren polnischen Besuch, der ja am frühen Morgen des 24.9.06 von uns empfangen werden sollte.

Doch dann sah es so aus, als ob der Austausch nicht stattfinden könnte! Am Abend des 8.9.06 erhielt ich die niederschmetternde telefonische Nachricht von Frau Antonina Tkaczuk, dass die Gruppe, abgesehen von vielleicht drei bis vier Schülern, nicht mehr nach Burgdorf kommen könne.

Mir war bekannt, dass sich die Schule dort in einer äußerst strukturschwachen Gegend befindet und dass viele polnische Eltern diese Schulfahrt nicht selbst finanzieren könnten, aber bis zu dem Anruf war ich davon ausgegangen, dass die Lelkowoer Schule eine Förderung über das Deutsch-Polnische-Jugendwerk erfahren würde. Diese Förderung wurde aus Warschau negativ beschieden, so dass die Kollegin mich kurzfristig davon in Kenntnis setzen musste. Die Situation schien festgefahren, unlösbar.

Lange vor dieser, für uns Burgdorfer frustrierenden Information, hatte Herr Karl-Ludwig Schrader, der bei der Organisation unseres Programmes äußerst engagiert mit geholfen hatte, vorgeschlagen, dass ich als Leiterin des Schüleraustausches Kontakt zum Vorstand der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil aufnehmen könnte. Das schien mir plausibel, denn mir war bekannt, dass die Kreisgemeinschaft Heiligenbeil enge Kontakte auch mit Lelkowo pflegte. So hatte mir die polnische Kollegin, als ich in den Sommerferien das dortige Gymnasium besichtigte, mit Stolz die Ausrüstung des Deutsch-Klassenzimmers gezeigt und dabei konnte ich erfahren, dass die Kreisgemeinschaft Heiligenbeil hier sehr geholfen hatte.

Hatte ich doch gedacht, ich würde den Vorstand der Kreisgemeinschaft beim diesjährigen Jahrestreffen am 9.9.06 in Burgdorf kennen lernen, dort von meinen Kontakten nach Lelkowo berichten, und unser Vorhaben vorstellen, so sah ich mich nun einer völlig geänderten Situation gegenüber: Zwar hatten wir ein interessantes Programm auf dem Papier, aber der Austausch konnte aufgrund der finanziellen Lage wohl nicht mehr statt finden.

Am Morgen des 9.9.06 bin ich also mit unserem Programm ins Burgdorfer Veranstaltungszentrum gegangen und habe dem Vorstand die Situation geschildert. Die Vorstandsmitglieder waren sich hier einig, dass die Begegnung von Burgdorfer Jugendlichen mit den Jugendlichen aus dem Kreis Heiligenbeil eine sehr gute Sache wäre und sagten zu, dass die polnische Schule die Fahrtkosten unbürokratisch als Vorschuss von der Kreisgemeinschaft bekommen sollte. Mir fiel ein sehr, sehr großer Stein vom Herzen, denn mit einer derartigen Hilfe hatte ich überhaupt nicht rechnen können. Ja, und so kam dann unser Austausch doch noch zustande und wurde für Deutsche und Polen ein voller Erfolg. Die polnischen Kinder haben den Aufenthalt in Burgdorf und in der Region Hannover genossen, ihre Deutschkenntnisse verbessert und unsere Burgdorfer Gymnasiasten waren so begeistert, dass wir gern eine Polnisch-Arbeitsgemeinschaft einrichten würden, um uns bei unseren Gegenbesuch Ende Mai 2007 in Lelkowo auch etwas auf polnisch mit unseren Gastgebern unterhalten zu können.

Auf dem Informationsabend am 7.11.06 haben wir Burgdorfer die Austauschwoche noch einmal aufgearbeitet. Im Anschluss an Photos und Vorträge, die Schüler berichteten in Gruppen jeweils über einen Programmtag, haben wir gemeinsam überlegt, welche Aspekte der Begegnung in Zukunft modifiziert werden könnten. Trotz des komplizierten Vorfeldes dieser Begegnung kann als Fazit nun gesagt werden, dass die Austauschwoche insgesamt fast von allen Beteiligten Deutschen sehr positiv bewertet wurde.

Wir sind dem europäischen Gedanken ein Stück näher gekommen:

Aus Fremden wurden Freunde, wir haben in dieser Woche von und mit unseren polnischen Gästen gelernt. Unseren Burgdorfer Schülern ist der Kreis Heiligenbeil zu einem Begriff geworden, Burgdorf und Lelkowo sind sich näher gekommen. Unsere Schüler freuen sich auf den Gegenbesuch im Mai 2007 und auf das Wiedersehen mit ihren neuen Schulpartnern.

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