Gymnasium Burgdorf

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Reisebericht über den Schüleraustausch der Gymnasien in Lelkowo (Lichtenfeld) und Burgdorf

vom 30. Mai bis zum 06. Juni 2007

Mittwoch, 30.05.2007

Karte
Kartenausschnitt Lelkowo - Gdansk
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17.23 Uhr: Abfahrt mit dem Zug von Burgdorf nach Hannover, umsteigen in den ICE nach Berlin Hbf, von dort mit dem Schlafwagen über Stettin und Danzig nach Braniewo (Braunsberg).

Donnerstag, 31.05.2007

(Wetter: vormittags bedeckt, nachmittags sonnige Auflockerungen).

7.40 Uhr: Der aus drei Schlafwagen bestehende Zug erreicht den Bahnhof von Braniewo. Der einsteigende Zoll und das russische Zugbegleitpersonal sind irritiert, weil wir den Zug verlassen wollen (Es war wohl das erste Mal in der Geschichte, dass hier Fahrgäste aussteigen wollten???). Der Ausstieg war zwischen dem Bürgermeister Herrn Popiel und dem Grenzkommandanten Herrn Jakubowski vorbereitet worden.

Antonina Tkaczuk, die Deutschlehrerin, erwartet uns mit dem Schulbus. Am Bankautomaten wird von Herrn Schrader für die gesamte Gruppe polnisches Geld gezogen. (Pro Person 100 Zloty, mit anteiligen Gebühren sind das pro Person € 26,50).

9.45 Uhr: Wir erreichen das Gymnasium in Lelkowo, und dort erwarten uns die gastgebenden Schülerinnen, Schüler und viele Gasteltern. Frau Iwona Maria Chojecka als Direktorin und Frau Andrea Barth-Drews begrüßen alle Teilnehmer.

Das gemeinsame Frühstück dauert bis 10.30 Uhr, danach werden die Zimmer bezogen. Die drei deutschen Betreuer beziehen eine geräumige Wohnung im Dachgeschoss der Grundschule. Direktorin und Stellvertreterin wohnen in den benachbarten Wohnungen, also auch in der Schule.

12.30 Uhr: Mittagessen in der Schule für die vor Ort gebliebenen Teilnehmer.

Lagerfeuer13.00 Uhr: Abfahrt zur Försterei in das Naturschutzgebiet bei Zaporowo, Fahrzeit ca. eine Stunde. Der Förster und sein französischer Praktikant führen uns durch den Wald. Auf dem "Ökologischen Pfad" werden uns Hügelgräber der Wikinger gezeigt, danach erklärt der Förster die Aufzucht der Setzlinge in der Wald-Baumschule. Die Vortragssprachen sind Englisch und Polnisch, mit Unterstützung von Antonina auch Deutsch. Zur Aufzucht der Waldbaumsämlinge sind riesige Flächen vorhanden. In einer Neupflanzung von einem Hektar Wald werden 10.000 kleine Bäume gesetzt. Nach ca. 140 Jahren in der Ernte sind es dann nur noch 500 ausgewachsene Baumexemplare pro Hektar.

16.30 Uhr: Lagerfeuer am See mit Imbiss vom Grill, Getränken, Gesprächen und Kennenlernspielen. Eine polnische Schülerin spielt auf der Gitarre zum Gesang der anderen. Nach einer Stunde geht es am See entlang zum Bus und dann zurück in die Quartiere.

Freitag, 01.06.07

(Wetter: ganztags bedeckt mit vereinzelten Regentröpfchen)

Wettkämpfe8.00 Uhr: Alle deutschen und polnischen Schülerinnen und Schüler treffen sich zum Tag des Kindes in der Schule. Im Freien finden Laufwettbewerbe statt, in der Sporthalle sind Volleyballspiele und eine Tanzeinübung im Raum der Fahrschüler bei Diskomusik. Zwischendurch werden interessierte Schüler mit dem Feuerwehrfahrzeug durch den Ort gefahren (natürlich mit Blaulicht und Sirene).

Die Sieger der Laufwettbewerbe werden vom Bürgermeister und der Direktorin mit Urkunden und kleinen Geschenken, meist Süßigkeiten, ausgezeichnet. Die Beteiligten des Austausches erhalten ein Mittagessen in der Schulkantine.

T-Shirt14.30 Uhr: Abfahrt mit dem Bus nach Pieneizno (Mehlsack) in das dortige Museum des Priesterseminars St. Adalbert. Es begleitet uns zusätzlich eine neue junge Deutschlehrerin, die jetzt wohl häufiger in Lelkowo mit unterrichten wird. Das Museum ist relativ klein, hat aber aus allen bewohnten Erdteilen von Missionaren gesammelte Exponate ausgestellt. Indien, China, Indonesien, Afrika, Mittel- und Südamerika sind vertreten.

Eine kleine Bildtafelausstellung stellt die Besetzung Polens im Zweiten Weltkrieg dar, ebenso aus polnischer Sicht die Unterdrückung der eigenen Bevölkerung mit der anschließenden Flucht, Vertreibung und Zwangsansiedlung von Polen und Ukrainern im eigenen Land als Folge des beendeten Krieges.

16.30 Uhr: Rückfahrt nach Lelkowo und freie Zeit in den Gastfamilien.

17.30 Uhr: Antonina fährt mit uns drei Betreuern in ihrem Pkw nach Braniewo, dort ist ein offizieller Restaurantbesuch mit dem Bürgermeister und dem Kommandanten der Grenzpolizei geplant.

Hier wird noch einmal über die Einzelheiten der Rückfahrt mit der fehlenden Platzreservierung für den russischen Zug gesprochen. Alle Varianten werden durchgespielt, mit dem täglichen telefonischen Kontakt zur Bahngesellschaft in Kaliningrad (Königsberg) soll unsere Fahrt ab Braniewo vorbereitet werden.

An diesem Abend erfahren wir, dass der Bürgermeister und die Direktorin vereinbart haben, dass in Lelkowo die deutsche Sprache weiterhin die erste Fremdsprache bleiben soll und die Initiative des Staates zur Einführung der englischen Sprache als erster Fremdsprache nicht umgesetzt werden soll, obwohl hierfür die entsprechenden Lehrer vom Staat finanziert werden würden und nicht, wie sonst üblich, von der Gemeinde.

Wir sind alle um 23.00 Uhr wieder zurück im Quartier.

Sonnabend, 02.06.07

(Wetter: weitestgehend bedeckt, aber trocken)

Frombork8.30 Uhr: Abfahrt mit dem Bus nach Frombork (Frauenburg) zur Besichtigung der Kathedrale, der Wirkungsstätte von Nikolaus Kopernikus, des Museums und der Turmbesteigung mit dem wundervollen Rundblick über das Frische Haff auf die Frische Nehrung. Unsere Gruppe besucht auch den Gedenkstein am Hafen, der an das Flüchtlingsleid Anfang 1945 erinnert.

Leider verkehren die Schiffe wegen einer Schlechtwettermeldung nicht, und deshalb fahren wir um 11.30 Uhr in Frombork mit dem Bus in Richtung Krynica Morska (Kahlberg) auf der Frischen Nehrung ab.

Nach einer Wanderung zum Ostseestrand und einem Mittagessen wird nach einem zweieinhalbstündigen Aufenthalt die Rückfahrt angetreten. Dieser Ort ist die kleinste Gemeinde Polens, aber pro Kopf die reichste.

Nach zwei Stunden Busfahrt erreichen wir wieder Frombork , nach kurzer Pause geht es weiter zur Grenze nach Gronowo (Grunau).

18.20 Uhr: Der Kommandant der Grenzpolizei, Herr Jakubowski, empfängt uns unweit der polnisch-russischen Grenze. Er gibt einige Erklärungen, und unsere Fragen werden beantwortet.

19.00 Uhr: Rückfahrt nach Lelkowo in die Quartiere und zur freien Verfügung. Die Läden in Lelkowo sind ab 17 Uhr geschlossen, und die einzige Gaststätte im Ort schließt ab ca. 21 Uhr. Was bleibt, ist ein geruhsamer Spaziergang auf den neu gepflasterten Fußwegen im Ort. An der Straße zum Tiefensee, kurz hinter dem Rathaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wird für die Grenzpolizei ein großes Areal bebaut. Hier entstehen Unterkünfte, Werkstätten, Garagen und Schulungsräume für die Grenzpolizei im Abschnitt Lelkowo (ca. 13 km Länge).

Sonntag, 03.06.07

Performance-Künstler07.30 Uhr: Abfahrt mit dem Bus nach Gdansk (Danzig), Sopot (Zoppot) und Gdynia (Gdingen/Gotenhafen). Der Bus wird in der Rechtstadt in der Nähe einer größeren Kirche abgestellt. In dieser Kirche, wie auch in den anderen, sind an diesem Tag Kommunionsgottesdienste. Überall sind an diesem Sonntag viele Familien unterwegs und gehen ihren Freizeitvergnügungen nach.

10.30 Uhr: Unsere Gästeführerin trifft auf unsere Gruppe, die Kommunikation erfolgt in polnisch und deutsch. Alle Sehenswürdigkeiten werden bis 13.00 Uhr, vor dem dann beginnenden gemeinsamen Mittagessen in der Nähe der riesigen Marienkirche, gezeigt.

14.45 Uhr: Nach der freien Zeit geht es jetzt mit dem Bus weiter nach Sopot. Wir steigen in der Nähe des Grand Hotel aus und gehen zur längsten Mole Europas. Der Platz zwischen Mole und Innenstadt ist eine riesige Baustelle. Alles soll noch schöner werden.

Letzte Station ist dann Gdynia mit dem Besuch des Ozeaneums, wo Seetiere und Fische aus allen Ozeanen bestaunt werden können. Ein Schiff der Marine und ein Segelschiff liegen gegenüber an der Kaimauer. Auf dem Pier sind verschiedenste Kinderspielgeräte aufgebaut und es ist viel Publikum vor Ort.

18.30 Uhr: Beginn der dreistündigen Rückfahrt nach Lelkowo.

Montag, 04.06.07

(Wetter: zunehmend sonnig und warm)

8.00 Uhr: Ein gemeinsames Kunstprojekt startet in der Deutschklasse.

10.00 Uhr: Zwei Grenzpolizisten halten einen Vortrag über die Arbeit an der Grenze. Weitere Inhalte sind die Topografie, die Ausgestaltung der Grenzanlagen an der grünen Grenze und die verwendeten Fahrzeuge, bezogen auf den ca. 13 km langen Abschnitt von Lelkowo.

12.30 Uhr: Ein kleines Mittagessen (Suppe) beschließt den Vormittag.

Quadfahren13.00 Uhr: Kurze Fahrt mit dem Bus zum Glebock-See (Tiefensee), Jarzen (Arnstein) ist ca. 3 km entfernt. Dort ist in der Nähe des Steges und der Ferienhäuschen schon ein Grill in Betrieb und ein üppiges Picknick erwartet uns. Sechs bis acht Personen von der Grenzpolizei und der Kommandant sind mit vier Fahrzeugen und einem Spürhund vor Ort. Nach dem Essen werden die Fahrzeuge gezeigt, erklärt und es gibt Probefahrten mit dem geländegängigen Quad. Mutige können sich mit zwei Luftgewehren im Schießen messen, zum Abschluss des kleinen Wettbewerbs gibt es noch Urkunden.

16.15 Uhr: Fußmarsch dicht am Seeufer entlang zur letzten befahrbaren Straße, die direkt auf die Grenze zuführt. Nach ca. 45 Minuten sind wir da und unter Aufsicht des Kommandanten wird das Tor im polnischen Zaun geöffnet. Etwa fünf Meter zurück steht der polnische Grenzpfahl, und weitere fünf Meter entfernt der russische Pfahl. Genau dazwischen ist auf dem Asphalt eine zwanzig Zentimeter breite rote Linie aufgetragen, die Grenze zwischen Polen und Russland, eine willkürliche Teilung Ostpreußens. Rechts und links sind im Grenzverlauf alle Bäume auf einer Breite von rund zwanzig Meter entfernt, das Gras steht aber fast überall hüfthoch. Die Trasse ist so breit, dass das Befahren jeweils auf beiden Seiten der Grenzlinie möglich wäre.

Nach einer halben Stunde geht es wieder zurück und die restlichen Würstchen liegen auf dem Grill, aber es hat kaum einer mehr Hunger.

19.00 Uhr: Rückfahrt vom See nach Lelkowo und Absetzen aller Jugendlichen in der Nähe ihrer Quartiere. Wir Betreuer sind als letzte um viertel vor acht in der Wohnung.

Dienstag, 05.06.07

(Wetter: sonnig und warm)

9.00 Uhr: Verabschiedung in der Sporthalle mit dem Bürgermeister, der Direktorin und einigen Gasteltern. Nach den Ansprachen werden an alle Gäste Geschenke verteilt, Herr Schrader zeigt noch Ansichten der Stadt Burgdorf. Danach werden auch von ihm die wichtigsten Personen mit persönlichen Geschenken bedacht. Nach der Aktion in der Sporthalle setzen wir Betreuer uns im Büro der Direktorin zusammen und lassen die vergangenen Tage Revue passieren.

Ab 12 Uhr ist Zeit für das Kofferpacken und den letzten Rundgang durch Lelkowo.

Unterricht16.00 Uhr: Mit einem VW-Bus der Gemeinde werden wir drei Betreuer, Iwona und Antonina nach Braniewo gefahren und machen dort noch einige Einkäufe. Ab 17.30 Uhr gehen wir gemeinsam in ein Restaurant zum Abendessen, dort kommt dann noch die stellvertretende Direktorin dazu. Hier wird über das Gelingen und die Fortführung des Austauschs gesprochen. Die Kontakte sollen auf alle Fälle bestehen bleiben und die Größe der derzeitigen Gruppe ist auch praktikabel. Die polnische Gruppe könnte im Mai/Juni nach Burgdorf kommen und würde im Wesentlichen aus Schülerinnen und Schülern der Abschlussklasse des Lelkowoer Gymnasiums bestehen. Aus Burgdorf würden Schüler aus der 9. Klasse im Oktober oder September nach Polen fahren (in Abstimmung mit der Jahres-Terminplanung der Schule). Die Antragszeit beim DPJW (Deutsch- Polnisches- Jugendwerk) beträgt mehr als drei Monate.

Die deutsche Sprache ist mit Zustimmung des Bürgermeisters als erste Fremdsprache eingeführt und das soll auch so bleiben. Deutsch wird ab der 4. Klasse Grundschule erteilt.

20.30 Uhr: Die Koffer der Betreuer Koffer werden von Iwonas Mann gebracht, die Jugendlichen treffen mit ihren Gastgebern ein und alle gehen durch den Tunnel zum Bahnsteig . Der Zug steht schon dort und wir steigen nach langem intensivem Abschied ein (die Telefonate der letzten Tage mit Kaliningrad haben doch alles zum Besten werden lassen).

21.05 Uhr: Pünktlich nach Fahrplan verlässt der Zug Braniewo. Es fließen Abschiedstränen und durch die Fenster wird kräftig gewunken. Abwechslungsreiche Tage liegen hinter uns und jeder hat eine Menge von interessanten Erfahrungen machen können.

Mittwoch, 06.06.07

Die weitere Rückfahrt erfolgt planmäßig und wir landen um 11.02 Uhr in Burgdorf auf dem Bahnhof. Erwartet werden wir von den Eltern, die froh sind ihre übermüdeten Kinder in Empfang zu nehmen.

Einige Eltern haben uns Betreuern einen kleinen Blumengruß überreicht. Vielen herzlichen Dank, das hat uns sehr gefreut.

Karl-Ludwig Schrader

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