Gymnasium Burgdorf

Site Map

Tosender Applaus für schauspielende Gymnasiasten

"Das Experiment" begeisterte rund 250 Zuschauer

SzenenfotoBURGDORF (gb). Wie kann Gewalt entstehen? Diese Frage stellten sich Schüler/innen der 12. Klassen des Burgdorfer Gymnasiums und setzten sich im Rahmen des Faches "Darstellendes Spiel" mit diesem hochaktuellen Thema auseinander. Rund 250 Besucher strömten am vergangenen Dienstag in die Aula und erlebten eine Theateraufführung, deren Handlungsstrang sich an den deutschen Kinofilm "Das Experiment" mit Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu orientierte.

Auf Plakaten, in Zeitungsanzeigen und TV-Werbespots sucht ein ominöses, wissenschaftliches Institut Personen, die sich "frei und willig!?" einem Experiment unterziehen wollen, das angeblich die menschliche Psyche ergründen will. Es findet sich eine Gruppe von Männern und Frauen zusammen, die aus unterschiedlichsten Motiven an diesem Versuch teilnehmen wollen.

Während sich die bizarre Künstlerin einen höheren Bekanntheitsgrad und Ausstellungsmöglichkeiten erhofft, spekuliert der flippige Auszubildende auf das schnelle Geld. Die Zeitung verhökernde Obdachlose will ihre Lebenssituation verbessern, und der Sprüche klopfende, prollige Kalle muss mit dem zu erwartenden Honorar seine Bierschulden begleichen.

Die Versuchsleiter lassen zwei Gruppen bilden. Gruppe A erhält Aufsichts- und Wärterfunktionen, die sie nach außen durch das Tragen von Uniformen, Schlagstöcken und Handschellen martialisch unterstreichen.

SzenenfotoDie B-Gruppe in einheitliche Gefangenenkleidung mit Kennnummer gesteckt, muss, soldatisch gedrillt, parieren und wird wie eine unappetitliche, menschliche Manövriermasse behandelt. Schnell wird den Betrachtern klar, dass es keine Intimsphäre und Menschenrechte mehr gibt und sich die "Versuchskaninchen" in ihren Rollen völlig verändert haben. Die Konflikte sind vorprogrammiert steigende Aggressionen arten in Terror aus und das Experiment gerät aus dem Ruder. Eine Testperson stirbt an Misshandlungen und eine mitleidende Versuchsleiterin sieht ihren Ausweg einzig und allein im Freitod.

Regisseur Hans-Hubertus Lenz, dem "sein" Ensemble mit einem Blumenstrauß und einem GOP-Gutschein dankte, ist gemeinsam mit seinen (Laien-)Darstellern eine beeindruckende Inszenierung gelungen. Individualität und Teamgeist fanden hier prächtig zueinander, schrieben sich doch die Schüler/innen ihre Charaktere und Texte selbst. Der sonst ruhige und zurückhaltende Benjamin Vasterling verkörperte gekonnt den motzenden, pöbelnden und später gewalttätigen Bierliebhaber Kalle. Seine Mutter Conny nach der Vorstellung: "Ich bin sehr stolz auf meinen Sohn und sein kleiner Bruder Daniel auch!" Das können alle Eltern und Lehrer sein.

Marktspiegel, 15.06.02

top


GYMNASIUM Burgdorf

Theateraufführung zieht 250 Besucher an

Zwölftklässler führen "Das Experiment" auf

Noch bis vor einiger Zeit war es auf den Kinoleinwänden zu sehen, jetzt haben es Zwölftklässler des Gymnasiums in Burgdorf auf die Bühne gebracht: "Das Experiment" .

23 Szenen erarbeiteten die jungen Leute in ihrem Kurs Darstellendes Spiel, um den im Jahr 1971 an der Stanford Universität tatsächlich durchgeführten Versuch zum Thema Autorität, Gehorsam und Gewaltentwicklung aufführungsreif zu machen. 250 Mitschüler, Eltern und Lehrer sahen am Dienstag das Stück mit dem Titel "Freiwillig? Oder wie Gewalt entsteht" in der Aula des Schulzentrums am Berliner Ring.

SzenenfotoAnfänglich erinnerte das Stück ein wenig an Big Brother und ähnliche Dauerübertragungen aus dem Wohncontainer. Menschen lassen sich in einem Scheingefängnis einquartieren und stehen dort unter Videobeobachtung. Doch anstelle belangloser Interaktion von werbeträchtig ausgewählten Personen, werden die "Versuchskaninchen" in zwei Gruppen aufgeteilt: In eine, die Autorität ausübt, und in eine, die sich unterordnen soll. Der Haken: Die Autorität ausübende Gruppe darf notfalls auch körperliche Gewalt ausüben und hat zu diesem Zweck Handschellen und Schlagstöcke zur Verfügung.

Die Rechnung der Versuchsleiter geht nicht auf. Die Situation eskaliert schnell. Erst rüde Beschimpfung, dann die ersten Hiebe, schließlich brutale Zuschlagen beherrschen das Verhalten der Autoritätsgruppe. Mit dem Tod eines Teilnehmers und dem Selbstmord einer Versuchsleiterin endet das Experiment auf der Bühne.

Um dieses nachdenklich machend Stück zu produzieren, wählten die Schüler mit Hilfe schriftlicher Dokumentationen des Experimentes geeignete Passagen für die szenische Umsetzung aus, entwickelten ein dramaturgisches Konzept, erarbeiteten paarweise die Szenen und hielten sie schriftlich fest. Erst dann übten die Gymnasiasten die Szenen ein und verschmolzen sie in 40 Probenstunden an Wochenenden zu einem Theaterstück. Um alle Darsteller ins Spiel bringen zu können, bedient sich die Inszenierung eines Kniffs und lässt eine Journalistin den Skandal aufdecken.

Auf ein Bühnenbild verzichteten die Gymnasiasten weitgehend. "Eure Körper müssen stimmen, nicht die Kulissen", hatte ihnen Kursleiter Hans Hubertus Lenz eingeschärft. Statisten aus den elften Klassen unterstützten die Aufführung. Das Publikum belohnte das Stück mit reichlich Szenen- und intensivem Schlussapplaus.

hz

HAZ, vom 13.06.02

top