Gymnasium Burgdorf

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Deutschland-Kanada Austausch

Landmark/Manitoba

Am 22. August 2002 flog ich gegen 9.30 Uhr von Hannover aus nach Kanada. Ich hatte mich schon vorher mit meiner Austauschpartnerin in Verbindung gesetzt, und wir schrieben uns regelmäßig Emails. Dies hatte den Vorteil, dass ich Corie, meine Austauschpartnerin, schon vor Antritt der Reise relativ gut kannte.

Der Flug von Hannover nach Frankfurt und von dort dann nach Toronto gestaltete sich in der großen Gruppe und einem Reisebegleiter ab Frankfurt sehr angenehm. Und auch der letzte Flug (Toronto - Winnipeg) war gut durchorganisiert, wobei mir bei dem ständigen Fliegen irgendwann übel wurde.

Gegen Abend kamen wir dann endlich in Winnipeg an und lernten unsere AustauschpartnerInnen persönlich kennen. Was mich betrifft, hätte für mich gar keine bessere Partnerin gefunden werden können. Wir haben dieselben Interessen, und an Gesprächsthemen mangelt es uns bis heute nicht.

Am Flughafen wurden wir sehr freundlich von zwei Damen empfangen, die uns einige Prospekte und Landkarten über Kanada und besonders über Winnipeg aushändigten. Wir wurden auch gleichzeitig in ein Camp eingeladen, in das wir für drei Tage mit unseren Partnern fahren konnten, um alle Teilnehmenden besser kennen lernen zu können.

Und dieses Treffen ergab sich ungefähr drei Wochen nach unserer Ankunft in Kanada. Wir fuhren nach „Camp Cedarwood“, ein unglaublich schönes und fast schon luxuriöses Ferienlager, das den Titel Jugendherberge gar nicht verdient. Es wurden unheimlich viele Aktivitäten angeboten und sehr viele Touren unternommen. Auch Corie und ich meldeten uns zu einer Kanufahrt an. Es konnte ja nur schief gehen - und so rammten wir zweimal das Dock, wobei aber nichts passiert ist. Es war jedenfalls für alle Beteiligten eine Menge Spaß dabei!

Leider mussten wir uns nach den 3 Tagen schon wieder verabschieden. Jedoch fiel uns die Heimkehr nicht allzu schwer, da wir beide mit unseren Freunden etwas Lustiges vorhatten. Wir waren nämlich die Woche davor schon im Kornfeld eines Freundes campen gewesen, und jetzt wollten wir es mit den anderen drei auch noch mal versuchen. Das war eindeutig der Vorteil, nicht in der Stadt zu leben. Man konnte so viele Dinge auf und in den Feldern machen. Ein Freund wohnt nämlich auf einer Farm, und so konnten wir dort hingehen und in der Scheune schlafen, wann immer wir wollten. Wir haben uns wahrlich ungewöhnliche Plätze zum Schlafen ausgesucht.

Mit meinen Gasteltern kam ich auch hervorragend zurecht. Sie haben sich gut um mich gekümmert. Ich kam auch nie in die Versuchung, Deutsch zu sprechen. Wir waren nur zwei Austauschschülerinnen in der kleinen Stadt Landmark (zumindest die letzten sechs Wochen, da vorher noch zwei Jungs für sechs Wochen da waren und wir für zwölf), und da das andere Mädchen für einige Zeit in einer anderen Stadt bei Freunden weilte, kam ich in den Genuss, nur Englisch zu sprechen, was mir auch ungeheuer viel Spaß gemacht hat. Einzig und allein mit der Deutschlehrerin sprach ich ein paar Worte Deutsch. Mich hat es allerdings verwundert, dass das Deutsch meiner Partnerin und deren Klassenkameraden nicht so ausgeprägt war wie das, was ich von den SchülerInnen aus Winnipeg gehört habe. Trotzdem waren alle mit viel Spaß dabei.

Die Schule ist einfach ein Traum. Die Lehrer sind dort unheimlich nett, und auch die Schüler sind ganz anders als hier in Deutschland. Zumindest auf meiner Schule in Landmark gibt es überhaupt kein Mobbing und auch kaum Streit mit Lehrern. Die Lehrer sind ganz anders eingestellt als Lehrer an meiner Schule in Deutschland. Auf dem Landmark Collegiate haben die Lehrer mit den Schülern gearbeitet und sie motiviert, sich mehr einzusetzen und mehr zu leisten. Das Lernen hat automatisch viel mehr Spaß gemacht.

Die Schultage waren leider sehr lang, und es dauerte einige Zeit, bis ich mich darauf eingestellt hatte. Außerdem gab es nur vier Fächer am Tag und diese dann gleich jeweils 80 Minuten und fünf Tage in der Woche. Das war teilweise sehr ermüdend.

Die Hausaufgaben sind mir leichter gefallen als gedacht. Nach einiger Zeit fängt man schon an, in Englisch zu denken. Eigentlich geht es schon dann los, wenn man am Flughafen ankommt.

Die Lehrer sind auch sehr umsichtig mit uns AustauschschülerInnen umgegangen und haben sich sehr nett um uns gekümmert. Es fiel mir nicht schwer, mich in die Gruppe einzufügen. Corie hat mir dabei auch sehr geholfen.

Mir gefielen die Schließfächer in der Schule sehr gut, was den Rucksack oft sehr erleichterte. Jedoch war dies bei den dicken Büchern auch nötig, denn hätte man diese jeden Tag mit nach Hause schleppen müssen, hätte dies zu gesundheitlichen Schäden geführt. Doch glücklicherweise wurde ich jeden Morgen vom Schulbus zur Schule gebracht und jeden Nachmittig auch wieder abgeholt. Der Busfahrer war ein sehr grießgrämiger Mann, den wir alle doch irgendwie gern hatten. Er tat alles, um uns jeden Morgen wachzurütteln. Er ließ kaum ein Schlagloch aus, und wer sich nicht rechtzeitig festgehalten hatte (was kaum einer tat) , hüpfte mitsamt seinem Rucksack ein gutes Stück nach oben.

Es gab ein paar Schulfeste, die recht angenehm waren. Wir nahmen am „Terry Fox Run“ teil, welcher aber eher gegangen wurde, hatten einen Halloweentanz und einen Halloweenschultag, an dem sich jede(r) verkleidete, und wir hatten ein nettes Barbecue, welches von den Lehrern ausgerichtet wurde.

Wir hatten auch zwei Proben für den Feueralarm. Das wurde mit der Stoppuhr gemessen! Und wir haben uns von eineinhalb Minuten auf 56 Sekunden gesteigert!

Ich war sehr traurig, als ich Landmark verlassen musste. Corie und ich hatten sogar einen Plan ausgearbeitet, wie ich doch noch länger in Landmark bleiben konnte, aber der hat nicht mehr funktioniert (wir konnten niemanden finden, der mich entführt). Doch ich hatte meine Zeit in Kanada so gut genutzt, dass ich mit vielen schönen Erinnerungen und der Gewissheit, einige gute Freunde gefunden zu haben, wieder nach Hause fliegen konnte.

Corie kam am 27. März zu mir nach Deutschland, und wir hatten immer noch sehr viel Spaß. Ihr gefiel es hier sehr gut. Die Schule war auch eine Umstellung für sie, aber wir kamen damit klar. Die Lehrer gingen umsichtig mit ihr um, und so klappte alles einigermaßen. Jedoch hätte ich mir von Corie ein bisschen mehr Engagement erhofft. Sie kann zwar Deutsch sprechen, sie verstand uns jedoch nicht, dabei gaben wir uns die allergrößte Mühe, sie in unser Familienleben einzuführen. Von ihr kam in dieser Hinsicht jedoch keine Bemühung. Das machte es auch für uns sehr anstrengend. Entweder redeten wir gar nicht mit ihr oder auf Englisch. Und wenn wir es doch wieder mit Deutsch versuchten, wurde die Frage mit nicht mehr als einem Ja oder Nein beantwortet.

Doch auch wenn meine Partnerin sich hier nicht so ganz einwandfrei verhalten hat, hat mir meine Zeit in Kanada sehr viel Spaß gemacht, und ich kann es wirklich jedem empfehlen. Ein besseres Englisch ist eigentlich schon Garantie. Ich werde auch nach dem Austausch mit meiner Partnerin Kontakt halten.

Katharina Schulze, 12. Jahrgang

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