Endlich! Nachdem wir es Monate lang kaum erwarten konnten, war der lang ersehnte Tag nun gekommen: Nach hektischem Kofferpacken und überstürztem Aufbruch zum Bahnhof Burgdorf wurde uns dann doch klar, was es bedeutete, ganz alleine - mal abgesehen von 42 anderen Schülerinnen und Schülern, unserem Lateinlehrer Herrn Goldhorn als Reiseleiter und drei weiteren Begleitpersonen - nach Rom, in die "Ewige Stadt", zu fahren. Einige waren vom Reisefieber so angesteckt, dass sie fast ihre Koffer am Bahnhof stehen gelassen hätten!
Nach einer fünfstündigen Zugfahrt im angenehmen ICE pünktlich um 20.14 Uhr in München angekommen, ließ der Schock nicht lange auf sich warten: Der Zug, in dem wir die nächsten 11 Stunden unseres kostbaren Lebens verbringen sollten, hätte ohne schlechtes Gewissen verschrottet werden können! Schon ein Blick ins Innere des sogenannten Liegewagens sagte uns, dass die Nacht nicht angenehm werden würde. Allerdings stellte sich wenige Minuten später heraus, dass wir es mit der 1. Klasse zu tun hatten! Da wir uns als arme Jugendliche auf einer (überraschend preiswerten) Schulfahrt mit der 2. Klasse begnügen mussten, war Chaos vorprogrammiert, und der Gang, den wir wahlweise als Aufenthaltsort benutzen konnten, wurde häufig von einem Mann blockiert, der uns "tea" oder "coffee" anbot. So kamen wir dann etwas müde um 8.17 Uhr in ROM an. Doch nichts war mit Schlafen oder Ausruhen! Nachdem wir unsere Koffer in einer langen Schlange von Stazione Termini, dem Hauptbahnhof von Rom, zum "Hotel Michigan" gerollt hatten, ging es nach unserem eng gestrickten Programm gleich zu einer der unzähligen Kirchen in ROM, nämlich zu San Pietro in Vincoli mit der berühmten Mosesstatue von Michelangelo.
Und plötzlich stand es vor uns! Das Ehrfurcht gebietendste und größte antike Bauwerk der Stadt: das Kolosseum! Der antike Name Amphitheatrum Flavium verbindet dieses Bauwerk eng mit den Namen der drei Kaiser aus der Dynastie der Flavier: Der Bau wurde von Kaiser Vespasian begonnen, von seinem Sohn Titus im Jahre 80 n.Chr. eingeweiht und von dessen jüngerem Bruder Domitian noch einmal erweitert. Hier fanden zur "Belustigung" der Zuschauer die berühmt-berüchtigten Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe statt. Doch nach der interessanten Besichtigung hatten auch wir mit einigen fliegenden Händlern zu "kämpfen", die uns allen möglichen Schrott andrehen wollten, z.B. mehlgefüllte Luftballons mit aufgeklebten Augen. Dabei versuchten sie uns mit verschiedenen Grimassen und Ausdrücken wie "Chubby, Chubby" (wir wissen bis heute nicht, was das bedeuten sollte) und natürlich "only (!) 5 Euro" davon zu überzeugen, dass dies das ideale Spielzeug für uns Jugendliche (im Alter von 14/15 Jahren!) sei. Nachdem wir sie mühsam abgewimmelt hatten, besichtigten wir die großen Triumphbögen der römischen Kaiser Konstantin und Titus, natürlich mit Übersetzung der Inschriften, was unter uns Schülern pure Begeisterung hervorrief! ![]()

Bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen um die 30° (es war schon Ende Oktober!) ging es dann ins Zentrum des antiken Rom, auf das Forum Romanum. Das allein wäre ja schön und gut gewesen, wenn dort nicht vier Aufgabenzettel für eine Gruppenarbeit auf uns gewartet hätten! Doch echte Lateiner sind hart im Nehmen, und so machten wir uns für die nächsten zwei Stunden in kleinen Gruppen an eine selbstständige Erforschung des abgegrenzten archäologischen Bezirks. Wir waren übrigens nicht die einzigen, die an diesem Tag auf dem Forum forschend tätig waren, denn auch eine Gruppe junger italienischer Archäologen grub sich hier im Herbst 2004 durch 3000 Jahre römische Geschichte, wobei sie gerade ein neues, bisher unbekanntes Gebäude ausgegraben haben. Es befindet sich der Nähe des runden Vesta Tempels, in dem jungfräuliche Priesterinnen u.a. das heilige Feuer hüten mussten, das den Bestand des römischen Staates garantierte.

Nach einer kleinen Verschnaufpause besuchten wir die Kirche Santa Maria in Cosmedin, in deren Vorhalle sich die Steinmaske Bocca Della Verita befindet. Die Legende besagt, dass Lügnern und Ehebrechern die Hand abgebissen wird, wenn sie diese in den "Mund der Wahrheit" legen. Leider waren wir nicht die einzigen, die an diesem Nachmittag hier ein schönes Erinnerungsfoto machen wollten, und durften uns in der Schlange anstellen, die zum größten Teil aus begeisterten asiatischen Touristen bestand.
Nach einer Pause auf dem Aventin, einem der sieben Hügel Roms, mit einem Blick durch das berühmte Schlüsselloch in der Tür des Priorats der Malteser ging es - schon in der Abenddämmerung - zum Circus Maximus, der bei den Römern der Antike nicht wegen der spektakulären Wagenrennen sehr beliebt war, sondern als ein Ort, an dem sich besonders leicht Kontakte zwischen Männern und Frauen knüpfen ließen, wie man bei dem römischen Dichter Ovid nachlesen kann. Danach durften wir endlich unser "Hotel Michigan" begutachten. Doch was wir aus der eindrucksvollen Eingangshalle geschlossen hatten, stellte sich leider als falsch heraus. Unsere Zimmer waren eher unkomfortabel, und die Türen erfüllten nicht überall den ihnen zugedachten Zweck, genau wie die Toilette: Nach dem Spülen pflegte das Wasser nicht wie üblich den Weg in die Kläranlage zu nehmen, sondern fröhlich wieder hochzublubbern. In manchen Räumen war es auch schwierig, an eine brauchbare Steckdose zu kommen, stattdessen bekamen wir eine halbe Stunde später frisch gewaschene Handtücher geliefert - na ja, auch nicht schlecht! Doch damit war unser erster Tag in Rom noch keineswegs beendet. Um 20.30 Uhr ging es noch zur Piazza Di Spagna mit der weltberühmten Spanischen Treppe. Im eindrucksvollen Schein der Straßenlaternen stiegen wir die 135 Treppenstufen zur Kirche Trinita Dei Monti hinauf, die leider mit einem riesigen Plakat Gandhis zugeklebt war, und übersetzten dort die lateinische Inschrift auf dem Obelisken. Es war inzwischen nach 22.00 Uhr, und die anderen Touristen an diesen Ort warfen uns schon bewundernde Blicke zu! Nach diesem anstrengenden, aber auch sehr interessanten Tag fielen alle hundemüde ins Bett.
Am nächsten Morgen hatten wir die Wahl, entweder die Vatikanischen Museen zu besichtigen oder zum Shopping zugehen (die Glücklichen durften eine Stunde länger schlafen). Doch die Musei Vaticani sind einfach riesig und außerdem der reinste Irrgarten. Man sollte sich bei einem Besuch auf die Höhepunkte beschränken. Dazu gehören neben der Laokoon Gruppe (es handelt sich um die antike Skulptur des trojanischen Priesters Laokoon und seiner beiden Söhne im Kampf mit zwei mächtigen Schlangen, welche die Göttin Athene zu ihrer Vernichtung geschickt hat) die Stanzen des Raphael (u.a. die "Schule von Athen" mit der Darstellung aller großen griechischen Philosophen) und nicht zuletzt die Sixtinische Kapelle mit den weltberühmten Wand- und Deckenfresken Michelangelos (wir empfehlen künftigen Besuchern hier wirklich leise zu sein, ansonsten kann es sehr ungemütlich werden …).
Am Nachmittag des zweiten Tages in Rom besuchten wir die Kirche Santa Maria Maggiore. Doch hier mussten wir nicht nur mit der unvermeidlichen lateinischen Inschrift auf der Basis des Obelisken vor der Kirche kämpfen, sondern auch mit den lästigen Tauben, die einem die Sicht versperrten und zudem manchmal etwas fallen ließen
. Auf dem folgenden Spaziergang durch die römische Altstadt schauten wir uns u.a. das Pantheon an. Es handelt sich dabei um einen architektonisch perfekten Rundtempel "für alle Götter" (dies besagt der griechische Name des heute in eine Kirche verwandelten Bauwerks). Anschließend hatten wir die Gelegenheit zu einer längeren Pause auf der Piazza Navona. Dieser herrlich angelegte Platz mit drei wunderschönen Brunnen (u.a. die Fontana Di Quattro Fiumi - der "Vierströmebrunnen", dessen vier große Statuen die Ströme Nil, Ganges, Donau und Rio de la Plata darstellen). Hier konnten wir unser Abendessen einnehmen (wie immer Pizza und Eis, bis auf einige Ausnahmen, die sich zu McDonald's begaben), Zeichnern und Performancekünstlern zuschauen, rumgucken, mit anderen Jugendlichen aus aller Herren Länder quatschen und mit den üblichen fliegenden Händlern verhandeln. Nach einem kurzen Besuch auf dem Campo Dei Fiori, einem großen Marktplatz mit der Statue des von der Inquisition verbrannten Wissenschaftlers Giordano Bruno, erreichten wir spät abends unseren Unterschlupf.
Aber auch am dritten Tag in Rom war nichts mit Ausschlafen, denn wir mussten mal wieder um 6 Uhr topfit aus den Federn hüpfen. Nach der Besichtigung der Trajansäule und der Kaiserforen bestiegen das Kapitol (wo u.a. die berühmte Reiterstatue von Kaiser Marc Aurel steht, dem "Philosophen auf dem Thron", der das Römische Reich von 161-180 n. Chr. regierte). In mehreren Gruppen besichtigten wir die Kapitolinischen Mussen, wo mal wieder ein paar Aufgabenzettel auf uns warteten. Nachdem wir die Römische Wölfin und viele andere Kunstwerke angeschaut und allerlei Fragen beantwortet hatten, trafen wir uns in der Kantine zum Mittagessen.
Am Nachmittag erreichten wir dann Ostia Antiqua - zum Glück mit dem Bus! Diese Hafenstadt wurde bereits in der Zeit der frühen Römischen Republik im vierten Jahrhundert v. Chr. an der Mündung des Tiber angelegt und diente vor allem als großer Umschlagplatz für Handelswaren aller Art, die hier von großen Schiffen abgeladen und mit kleinen Kähnen oder Pferdewagen weiter transportiert wurden. Nachdem Herr Goldhorn einer der zahlreichen Statuen des Flussgottes Tiber kurzfristig den Kopf ersetzt hatte, erkundeten wir schöne Mosaiken, antike Tempel und auch eine Latrinenanlage. Auf dem Rückweg zu unserem Hotel im Herzen von Rom machten wir noch Station im Stadtteil Trastevere (von trans Tiberim = "auf der anderen Seite des Tiber"). Im Zentrum dieses besonders traditionsbewussten Stadtteils befindet sich u.a. die älteste Marienkirche: Santa Maria in Trastevere.
Am vierten Tag in Rom stand zunächst ein Besuch der Kalixtus Katakombe auf dem Programm. Durch diese unterirdische Begräbnisanlage des frühen Christentums wurden wir von dem Don-Bosco-Pater Dr. Korte geführt, der uns sehr anschaulich und unterhaltsam die Bedeutung der vielen Gänge, Kammern und bildlichen Darstellungen erklärte. Dann ging es mit dem Linienbus zur "alten Papstkirche" San Giovanni In Laterano, wo wir - wie üblich
- eine Inschrift übersetzten. Diesmal ging es um Kaiser Konstantin, den Sieger in der Schlacht an der Milvischen Brücke und (angeblich) ersten christlichen Kaiser, der als Begründer der Kirche San Giovanni natürlich auch auf dem Obelisken davor geehrt wird: "Konstantin, durch das Kreuz Sieger, wurde hier vom Heiligen Silvester getauft und hat dann den Ruhm des Kreuzes verbreitet."
Am Nachmittag stand ein weiteres Highlight auf unserem Programm unserer Reise: ein Besuch im Vatikan, dem kleinsten unabhängigen Staat der Erde. Dort besichtigten wir den Petersplatz und die Petersbasilika, die berühmteste Kirche der Welt und für Katholiken auch die wichtigste Pilgerstätte. Unter dem Hochaltar liegt ein Grab, das schon ganz früh in der Geschichte der christlichen Gemeinde von Rom sehr verehrt wurde und als das letzte Ruhestätte des Heiligen Petrus gilt. Ganz in seiner Nähe sind auch die meisten seiner Nachfolger, die Päpste, beerdigt. Der Großteil von uns stieg jedoch nicht in Krypta zu den toten Päpsten hinab, sondern kraxelte lieber die 476 Stufen zur Kuppel der Petersbasilika hinauf (für Faulpelze gab es auch einen Lift). Von dort hat man nämlich einen unglaublichen Blick über den Vatikan und fast ganz Rom.

Nachdem wir uns (völlig K.O.) die 592 Stufen hinuntergeschleppt hatten (wir wissen auch nicht, warum es auf einmal mehr waren), bekamen wir unsre verdiente Pause und schrieben fleißig Postkarten. Im Inneren der Petersbasilika gab es auch manches zu bestaunen, u.a. die phantastische Innenseite der Kuppel von Michelangelo (die Buchstaben der lateinischen Schrift sind 9 Meter hoch), die Pieta, eine Statue Marias mit dem vom Kreuz herabgenommenen Christus (ebenfalls von Michelangelo) und eine sehr alte Figur des Heiligen Petrus, deren Fuß die Rompilger seit Jahrhunderten berühren. Auf dem Rückweg vom Petersdom besuchten wir noch die Engelsburg, eine Art Fluchtburg der Päpste mit einem unterirdischem Gang zum Vatikan. Ursprünglich war dieses Bauwerk das Grabmal von Kaiser Hadrian, der das Römische Reich von 117-138 n. Chr. regierte und uns auch am folgenden fünften Tag unserer Romfahrt noch beschäftigen sollte.

Am letzten Tag unseres Aufenthalts fuhren wir mit dem Bus in die alte Stadt Tivoli, die ca. 36 km von Rom entfernt liegt. Dort besichtigten wir zunächst die Villa Hadriana, den Sommersitz des Kaisers Hadrian, der als besonderer Bewunderer der griechischen Kultur in die Geschichte eingegangen ist. Ein Gastmahl am Hof dieses Kaisers ist das Thema von der Lektion in unserem Lateinbuch, bis zu der wir zum Zeitpunkt unserer Romfahrt gekommen waren. Deshalb konnten wir diesen Text nun genau an der Stelle lesen, an der er spielt, nämlich an einem künstlichen Teich, der mit Karyatiden geschmückt ist. Das sind Frauenfiguren, die - ähnlich einer Säule - Gebäudeteile tragen (bei Hadrians Vorbild in Athen z.B. einen Tempel mit dem Namen Erechtheion).
Die zweite große Sehenswürdigkeit von Tivoli ist die Villa D'Este (wo wir mal wieder leichte Orientierungsprobleme hatten) mit ihren zahlreichen Brunnen und Wasserfontänen, die frau wirklich nicht verpassen sollte. Gerade an heißen Tagen (und davon gibt es viele in Italien) ist es hier immer angenehm kühl und erholsam nach all dem Trubel in der Großstadt. Auf der Rückfahrt im Bus verfiel der eine oder andere in tiefen Schlaf, was zu entsprechenden Schnarchgeräuschen führte.
Wieder in der "Ewigen Stadt" angekommen, sahen wir uns im "Time Elevator" einen interessanten Film über die Geschichte der Stadt Rom an, bevor es endlich zur Fontana Ditrevi ging, einem unserer Favoriten. Das ist der wohl berühmteste aller Brunnen in Rom (und davon gibt es nicht wenige!) sowie ein Magnet für alle Touristen.
Die Legende besagt nämlich, dass jeder nach Rom zurückkehren wird, der eine Münze in den Trevibrunnen wirft (richtig wirft man übrigens nur mit der rechten Hand über die linke Schulter, wenn mit dem Rücken zum Brunnen steht). Und da unsere Romfahrt einfach der Hammer war und wir alle unbedingt noch einmal dorthin zurückkommen wollten, sind an diesem Abend sicher sehr viele Münzen aus den Händen Burgdorfer Gymnasiasten im Wasser des Trevibrunnens gelandet! Zum Schluss machten wir noch ein letztes Gruppenfoto vor der Statue der Stadtgöttin Roma auf dem Kapitol.
Eigentlich hätte uns ein Zug um 21.37 Uhr am Bahnhof Termini abholen sollen, doch an diesem Abend war südlich von Rom ein anderer Zug entgleist, weshalb unser Nachtexpress (aus Neapel kommend) nicht im Hauptbahnhof einfahren konnte. Deswegen musste kurzfristig eine Mitfahrgelegenheit zu einem anderen Bahnhof organisiert werden, zu dem unser Zug umgeleitet worden war. Dort angekommen, waren einige zunächst etwas irritiert, weil auf der Anzeigetafel unseres Gleises stand, der Zug würde nach "Marokko" fahren! Er fuhr dann aber doch nach München, von wo wir (mit dreistündiger Verspätung) weiter ins kleine, gemütliche Burgdorf reisten.
Ganz herzlich bedanken möchten wir uns für diese tolle und unvergessliche Fahrt bei Herrn Goldhorn, der uns stets alles fachmännisch erklären konnte und solche Romfahrten für die Lateinschüler der 9. Klassen auch in den kommenden Jahren anbieten wird, bei den weiteren Begleitern, Frau Napp-Hußmann, Herrn Brinkmann und der ehemaligen Schülerin Sonja Thun, und nicht zuletzt bei unserer Schulleiterin Frau Brunschön, die uns dieses wunderschöne Erlebnis durch ihre freundliche Genehmigung erst ermöglichte.
Kristina Habdank, Janina Müller (9 L)