
Matthias Horndasch (44) trägt Passagen
aus dem Tagebuch der Anne Frank vor. Heinze
In seinem "Konzert mit Anne" hat der Komponist, Autor und Talkmaster Matthias Horndasch gestern vor 400 Schülern des Burgdorfer Gymnasiums an das Schicksal der Jüdin Anne Frank im Dritten Reich erinnert.
Von Stefan Heinze
Burgdorf. Mit einer Kombination aus Lesung und Konzert gedachte die Schule der Reichspogromnacht am 9. November des Jahres 1938. Die Fachgruppe Religion hatte die Aufführung an ihre Schule geholt.
"Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es so schlimm gewesen sein soll, dass Leute so ausgegrenzt wurden", war Schüler Jan Hausmann nach der Lesung aus dem Tagebuch der Anne Frank betroffen. Plastisch hat Anne notiert, was Juden damals alles nicht durften: Nicht einkaufen zwischen drei und fünf Uhr, nicht ausgehen zwischen 20 und sechs Uhr, nicht Mitglied im Sportverein sein, nicht Christen besuchen und noch viel, viel mehr.
Horndasch präsentierte den Siebt- bis Neuntklässlern einen Gang durch das Tagebuch im Zeitraffer. Flucht in die Niederlande, vom Juli 1942 an Versteck der Familie Frank im Hinterzimmer eines Bürogebäudes bis in das Jahr 1944 hinein, dazwischen das Leben einer Jugendlichen, geprägt von Hoffen auf Befreiung und der ewigen Angst entdeckt zu werden.
Mit sinnlichen Jazz-Piano-Stücken unterstrich der Musiker die Stimmung der Tagebuchnotizen und gab Gelegenheit zum Nachdenken.
Besonders bedrückend war das Nachwort: Im August 1944 wurden das Versteck entdeckt und die Familie verschleppt. Anne starb – kurz vor der Befreiung durch alliierte Truppen – im März 1945 an Typhus im Konzentrationslager Bergen-Belsen.
HAZ, 09.11.05