Weihnachtsaktion Bücherei

MINT

Roberta-Logo

SportFRSch

IServ

Iserv

Vertretungsplan

indiware_mobil

 

Die Ratten

Vorwort

„Es gibt nichts so Grauenvolles wie die Fremdheit derer, die sich kennen.“ Gerhart Hauptmann (Autobiographische Schriften)

Inhalt

ratte1Auf dem Dachboden einer Berliner Mietskaserne, um die Jahrhundertwende Inbegriff sozialen Elends, hat der „verkrachte“ Theaterdirektor und Maskenverleiher Hassenreuter seinen Kostümfundus untergebracht und erteilt Schauspielunterricht. Frau John, im gleichen Haus in einer ärmlich-bescheidenen Wohnung lebend, soll den Fundus in Ordnung halten. Jedoch geschehen hier Dinge, die nur dem Verborgenen vorbehalten sind: so hat sich Herr Hassenreuter heimlich mit seiner Geliebten dort verabredet; ebenso heimlich versucht seine 15jährige Tochter Walburga hier ihren Privatlehrer Spitta zu einem Rendezvous zu treffen.

Gewichtiger und folgenschwerer jedoch ist die Verabredung Frau Johns mit der verzweifelten Pauline Piperkarcka, die hochschwanger von ihrem Geliebten sitzen gelassen wurde und sich nun in den Landwehrkanal stürzen will, weil ihr als unehelicher Mutter (zu Beginn des 20. Jahrhunderts) die gesellschaftliche Ächtung sicher ist. Frau John, besessen von dem Wunsch nach einem Kind, bietet all ihr Überredungsgeschick auf, um Pauline das Kind „abzuschwatzen“: „Ick habe mir allens ausjedacht. Et jeht zu machen, Pauline, et jeht, sach‘ ick Ihn!“

Ihr Plan, nach dem Tod ihres ersten Kindes und der darauf folgenden längeren Kinderlosigkeit doch wieder an ein „eigenes Kind“ und ein bisschen Familienglück zu kommen, scheint zunächst aufzugehen. Pauline geht auf den Handel ein und bringt, zusätzlich eingeschüchtert durch Frau Johns kriminellen Bruder Bruno, das Kind auf dem Dachboden zur Welt. Alles könnte gut werden, denn auch Paul John, der bisher in Hamburg-Altona als Maurerpolier arbeitete und seine Frau nur gelegentlich am Wochenende besuchte, will nun wieder zurück zur „Familie“ nach Berlin: „Nee! bleibe in Lande und nähre dir redlich! Ick jeh‘ nich mehr auswärts! De Mächens wolln ooch nich mehr recht mehr so anbeißen … Nee  et is jut so, det ma det ewije Wanderleben zu Ende is.“ Doch das Familienglück ist nur von kurzer Dauer. Pauline bereut das „Geschäft“, meldet die Geburt an und schickt Frau John das Fürsorgeamt ins Haus. Frau John versucht „ihr Kind“ zu behalten, flieht für eine Zeit lang zur Schwägerin „uff Sommerfrische“ und schiebt Pauline das kranke, unterernährte Baby der morphiumsüchtigen Nachbarin unter. Die Tragödie nimmt ihren Lauf, denn …

ratte6

„Allens is hier morsch! Allens faulet Holz! Allens unterminiert, von Unjeziefer, von Ratten und Mäuse zerfressen!“ Die Ratte als Symbol für die Scheinwelt, die Welt der Lüge und des Zerfalls, ist das Verbindungsglied zwischen tragischer und komischer Handlung. Hassenreuter, der seinen Schülern die Kunst der klassischen Tragödie beizubringen versucht, ist völlig blind gegenüber der echten, die sich vor seinen Augen vollzieht. Selbstgefällig und -gerecht ist er schnell bereit, menschliches Versagen anderer zu be- und verurteilen, führt jedoch selbst nur eine aus Maske und Fassade bestehende Scheinexistenz. Die „morsche“ Berliner Mietskaserne wird zu einem Modell der sozialen Zustände der Zeit.

Bildergalerie

Darsteller

Henriette John, ca. 35 Jahre alt Annika Wzietek (10. Jg.), Charlotte Frettlöh (8. Jg.)
Paul John, Maurerpolier Lukas Bruns (11. Jg.)
Bruno Mechelke, Bruder Frau Johns Jonas Hußmann (12. Jg.)
Pauline Piperkarcka, etwa 20jähr. Dienstmädchen Pauline Höhlich (9. Jg.), Judith Fitz (8. Jg.)
Harro Hassenreuter, ehem. Theaterdirektor Ilka de Vries (11. Jg.)
Frau Hassenreuter Jana Teufel (11. Jg.)
Walburga, ihre Tochter Jasmin Pszolla (11. Jg.) Anna Rust (8. Jg.)
Erich Spitta, Kandidat der Theologie Yannick Will (11. Jg.)
Alice Rütterbusch, Schauspielerin Lisa Habeck (10. Jg.) Paula Müsse (9. Jg.)
Nathanael Jettel, Hofschauspieler Kilian Menzel (11. Jg.)
Käferstein, Schüler Hassenreuters Kilian Menzel (11. Jg.)
Dr. Kegel, Schüler Hassenreuters Florian Grabi (12. Jg.)
Frau Sidonie Knobbe, Nachbarin der Johns Miriam Ahlborn (10. Jg.)
Selma, ihre 12jähr. Tochter Meike Behrens (9. Jg.), Sara Kuhlgatz (8. Jg.)
Quaquaro, Hausmeister Eva v. Wechmar (10. Jg.)
Frau Kielbacke, Leiterin eines Fürsorgeheims Jana Teufel (11. Jg.)
Schutzmann Schierke Frederik Scholz (11. Jg.)
Statisten Sören Wilke, Klaas Hagemann, Edmund Fitz, Henrik Kröger (alle Ehem., Abitur 2007), Christine Fitz (13. Jg.), Neele Hoppe, Alice Müller, Gesa Steppuhn (11. Jg.)

 Mitwirkende hinter der Bühne

Beleuchtung / Technik / Musik Nils Janßen, Jan Hansmann (11. Jg.)
Programmheft / Plakatgestaltung Christa Reinicke, Hans-Jörg Reinicke
Maske Lena Loock, Kira Baule (11. Jg.), Carmen Höppke (9. Jg.)
Bühne / Requisiten / Kostüme Ilka Weinreich / Neele Hoppe, Alice Müller, Gesa Steppuhn (11. Jg.)

Zum Autor Gerhart Hauptmann

Gerhart Hauptmann (1862 – 1946) gilt als der bedeutendste deutsche Vertreter des Naturalismus. Er wird 1862 in Ober-Salzbrunn (Schlesien) geboren. Obwohl er schon früh erste Gedichte verfasst, ist sein Berufsweg alles andere als gradlinig: Nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung studiert er Bildhauerei, Zeichnen und Geschichte. Er lebt in Breslau, Rom, Jena und Dresden. 1885 setzt er seine Studien in Berlin fort und pflegt Kontakt mit dem naturalistischen Berliner Dichter-Verein „Durch“. Vier Jahre später wird an der neugegründeten Freien Volksbühne sein Stück „Vor Sonnenaufgang“ uraufgeführt. Das Stück erlebte einen Skandalerfolg und machte Hauptmann über Nacht berühmt. In den folgenden Jahren entwickelt sich eine enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Theater in Berlin, an dem Hauptmann 1894 Hausautor wird. Immer wieder gerät er in Konflikt mit der Theaterzensur. Zur Uraufführung der „Weber“ 1896 kündigt Kaiser Wilhelm II. aus Protest seine Hofloge.

1901 zieht Hauptmann nach Agnetendorf (Riesengebirge), wo er den Rest seines Lebens verbringen wird. Er verfasst über 30 Dramen sowie zahlreiche Erzählungen, Romane und Gedichte, erhält den Nobelpreis für Literatur (1912), den Adlerschild des Deutschen Reiches (1922), den Orden „Pour le Mérite“ (1924) und den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt (1932). Er wird Ehrendoktor der Universitäten Oxford, Leipzig, Prag und Columbia (New York). 1932 zieht sich Hauptmann aus dem öffentlichen Leben zurück. Er stirbt 1946 in Agnetendorf und wird auf Hiddensee bestattet.

Zur Entstehung der „Ratten“

Als im Januar 1911 nach zweijähriger intensiver Arbeit „Die Ratten. Eine Berliner Tragikomödie“ erschien, hatte das Stück bereits zahlreiche Titelvariationen erfahren und mehrere Motive anderer Arbeiten Hauptmanns in sich aufgenommen. In der frühen Fassung mit dem Titel „Der Storch beim Maskenverleiher“ findet der ehemalige Straßburger Theaterdirektor Alexander Heßler, in dessen Fundus auf dem Boden der Franzer Kaserne Hauptmann Schauspielunterricht nahm, als Theaterdirektor Hassenreuter Eingang in das Stück.

Aus dem Jahr 1887 stammt das Erzählfragment „Der Buchstabe tötet“. Hier wird ein Maurerehepaar, das ein Pflegekind angenommen hat, von der Forderung der leiblichen Mutter überrascht. Das Dienstmädchen will sein Kind zurück und zählt den Pflegeeltern Geld auf den Tisch, um seinen Rechtsanspruch auf das Kind geltend zu machen. Das Konfliktmotiv der Kindesforderung der leiblichen Mutter bildete die Grundlage für den zweiten Akt der „Ratten“, während der Kindesverlust, der insbesondere den Vater aufs heftigste verstört, für die Vorgeschichte des Maurerehepaars in den „Ratten“ bestimmend wurde.

Konkrete Gestalt nahm das Projekt nach Hauptmanns Lektüre einer Zeitungsnotiz vom 13. Februar 1907 an. In einem Berliner Gerichtsprozess war die Tat einer Frau verhandelt worden, die aufgrund eigener Kinderlosigkeit das Kind eines Dienstmädchens als ihr eigenes ausgegeben und ein weiteres geraubt hatte, um es dem gesetzlich vorgesehenen Vormund vorzulegen, der nach dem Verbleib des Kindes geforscht hatte. Im Frühjahr 1909 griff Hauptmann das Projekt „Das Drama. Comödie der Kindesunterschiebung“ von 1907 wieder auf und nannte es, mit neuer Konzentration auf die Hauptfigur „Mutter John. Berliner Comödie“.,Gegenüber seinem Verleger kündigte Hauptmann ein Stück mit dem Titel „Das Rattennest“ an. In einem Brief an Otto Brahm vom August 1909 taucht zum ersten Mal der Titel „Die Ratten“ auf. Am 13. Januar 1911 wurden „Die Ratten“ im Berliner Lessingtheater unter der Direktion von Otto Brahm uraufgeführt.

Newsletter

Abonnieren Sie hier unseren Newsletter!

* Pflichtfeld