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Romulus der Große

Romulus der Große

Je planmäßiger die Menschen vorgehen,
desto wirksamer vermag sie der Zufall zu treffen.“
Friedrich Dürrenmatt

romulusVorwort

Liebe Theaterfreunde!

Nach der letztjährigen Aufführung von Arthur Millers „Hexenjagd“ (Juli 2005), eines eher düsteren Stücks über Massenwahn und Machtmissbrauch, gingen wir für 2006 auf die Suche nach einer Komödie. Aufgrund unserer Debüt-Aufführung des Possenstücks „Der Glücksbringer“ nach J. Nestroy (Juli 2004), das Anklänge an die Boulevard-Komödie hatte, verwarfen wir sämtliche Stücke ähnlichen Strickmusters. Es sollte etwas anderes sein, etwas, das vom Niveau her mit Millers Stück unbedingt mithalten können musste. So gelangte Dürrenmatt ins Blickfeld, dessen Komödien sich aufgrund ihrer gesellschaftskritischen, tragischen und grotesken Züge mit unseren Zielen gut vereinbaren ließen.

Das bekannte Stück „Die Physiker“ erschien vielen Schülern wegen intensiver Unterrichtsbehandlung in Jg. 11 wenig reizvoll und die Entscheidung fiel für das weniger bekannte Stück „Romulus der Große“, dem Dürrenmatt die Bezeichnung „Eine ungeschichtliche historische Komödie“ gab.

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Sehr aufwändig war diesmal das Bereitstellen notwendiger Kulissen, Kostüme und Requisiten. Zwei Personen, die dafür Extrazeit- und –mühe aufgewandt haben, gilt auch ein Extra-Dank: Sonja Thun (ehemalige Schülerin, Abitur 2004) und Frau Weinreich (Mutter eines Sechstklässlers).

SzenenfotoSich in eine geschichtlich ferne Welt versetzen zu können, hatten die AG-Teilnehmer schon bei Millers „Hexenjagd“ bewiesen. Weniger einfach war es jedoch, eine Rolle aus dem höfisch-kaiserlich-kriegerischen Milieu nachzuempfinden, noch dazu, wenn es sich um eine des jeweils anderen Geschlechts handelte. Da es in „Romulus der Große“ nur zwei weibliche Rollen gibt (Kaiserin Julia und Prinzessin Rea), mussten einige Schauspieler bereit sein, eine männliche Rolle zu übernehmen; dies tun bravourös Jasmin Pszolla (Innenminister), Melanie Brinkmann (Kunsthändler Apollyon) und Natalie Rheinhardt (Kammerdiener Pyramus).

Die bei weitem umfangreichste Rolle des Stücks ist die des Kaisers Romulus; hier gilt Sören Wilke besondere Anerkennung für diszipliniertes Textlernen.

Rettung in der Not boten im März 2006 nach schon monatelangem Proben Christine Kraft und Sonja Thun, die kurzfristig bereit waren, die Rolle der Kaiserin Julia zu lernen, als die ursprüngliche Julia wegen Krankheit aufgeben musste.

Alle anderen Beteiligten hinter den Kulissen und auf der Bühne geben ebenfalls ihr Bestes, um euch/Sie in das alte Rom zu entführen und für einen vergnüglichen Abend zu sorgen. Wir wünschen gute Unterhaltung!

Im Namen der Theater-AG

Christa Reinicke


 Das Stück

An einem frühen Märzmorgen im Jahre 476 n. Chr. …

Der Präfekt der Reiterei Spurius Titus Mamma erreicht mit letzter Kraft die Villa von Kaiser Romulus des Großen, um vor den nahenden Germanen zu warnen. Die Kammerdiener des Kaisers wimmeln den aufgeregten Ruhestörer vorerst einmal ab, indem sie auf das Hofreglement hinweisen. Der Präfekt müsse zunächst einige bürokratische Hürden nehmen.

Der Kaiser versucht indessen das „Morgenessen“ zu genießen und sich nach seinen Hühnern zu erkundigen, wird aber ständig von den ihm verbliebenen Ministern oder seiner Frau Julia gestört.

Sie alle versuchen, den Kaiser dazu zu bringen, den Reiterpräfekten zu empfangen und endlich etwas gegen die heranrückenden Germanen zu tun.

Stattdessen empfängt Romulus den Kunsthändler Apollyon, denn mit dem Verkauf der Kunstschätze in seiner Residenz will er seine Hühnerzucht finanzieren.

Doch statt sich seinem Hobby widmen zu können, muss er sich dem Asyl suchenden oströmischen Kaiser Zeno widmen, der ihn jedoch ebenfalls bewegen möchte, gegen die Germanen vorzugehen.

Romulus und seine TochterSchließlich platzt auch noch der Industrielle Cäsar Rupf, seines Zeichens Hosenfabrikant, in die Villa und erklärt, Rom retten zu wollen: er sei bereit, dem Germanenfürsten Odoaker 10 Millionen zu dessen Rückzug zu zahlen, allerdings nur unter der Bedingung, des Kaisers Tochter, Prinzessin Rea, im Gegenzug zur Frau zu bekommen.

Dies scheint die Möglichkeit zur Rettung des Reiches zu sein, doch Romulus macht die aufkommende Freude jäh zunichte. Er lehnt das Angebot dankend ab: das Reich würde er zwar gern „für eine Handvoll Sesterzen“ verkaufen, nicht aber seine Tochter „verschachern“. Spurius Titus Mamma, der sich nun doch zum Kaiser vorgekämpft hat, will er nicht anhören, sondern schickt ihn schlafen. Das Reich steht am Abgrund.

Was hat es mit diesem Kaiser auf sich, der sich so gar nicht für sein Reich zu interessieren scheint und, von der germanischen Gefahr völlig unbeeindruckt, seiner Hühnerleidenschaft nachgeht?

ZuschauerWie reagieren die wütenden anderen, die sich von ihm verraten fühlen, ganz besonders Ämilian, Reas Bräutigam, der aus germanischer Gefangenschaft zurückkehrt und vom Kaiser Rechenschaft fordert?

Und was geschieht, als Odoaker tatsächlich mit seinen Germanen Rom erreicht?

Wird Rom untergehen?

Ist Romulus verrückt? ….

Lasst euch/Lassen Sie sich überraschen!


 Bildergalerie

Die Personen und ihre Darsteller in der Reihenfolge ihres Auftritts:

Romulus Augustus, Kaiser von Westrom Sören Wilke (12. Jg.)
Julia, seine Frau Christine Kraft (12.Jg.)/ Sonja Thun (Abitur 2004)
Rea, seine Tochter Julia Badstübner (10.Jg.)
Zeno der Isaurier, Kaiser von Ostrom Gregory Mouanga (12.Jg.)
Ämilian, Römischer Patrizier Klaas Hagemann (12.Jg.)
Mares, Kriegsminister Nils Janßen (9.Jg.)
Tullius Rotundus, Innenminister Jasmin Pszolla (9. Jg.)
Spurius Titus Mamma, Reiterpräfekt Edmund Fitz (12.Jg.)
Achilles, Kammerdiener Yannick Will (10.Jg.)
Pyramus, Kammerdiener Natalie Rheinhardt (10.Jg.)
Apollyon, Kunsthändler Melanie Brinkmann (10.Jg.)
Cäsar Rupf, Industrieller Michael Gieseler (13.Jg.)
Odoaker, Fürst der Germanen Conny Thees (9.Jg.)
Theoderich, sein Neffe Lukas Nolte (10.Jg.)
Sulphorides, Kämmerer des Zeno Henrik Kröger (12.Jg.)
Phosphoridos, Kämmerer des Zeno Tobias Heinze (10.Jg.)
Koch Lukas Nolte (10.Jg.)
Dienstmänner Artur Wachtel (13.Jg.) / Conny Thees (9.Jg.)
Eilbote Conny Thees (9.Jg.)
Germanen Anna Rust, Claudia Molde, Annika Hans, Sina Sieveritz, Lisa Jüttner, Johanna Müsse, (6.Jg.), Nils Janßen, Tobias Heinze (9.Jg.), Yannick Will (10.Jg.), Henrik Kröger (12.Jg.)
Statuen Johanna Müsse, Claudia Molde, Lisa Jüttner, Sina Sieveritz, Annika Hans, Anna Rust (6.Jg.)
Beleuchtung/Technik/Musik Christoph Grotjahn, Alexander Jung (12.Jg.)
Programmheft Christa Reinicke
Plakatgestaltung Hans-Jörg Reinicke
Maske Lena Loock, Kira Baule
Kostüme Frau Weinreich
Regieassistenz Artur Wachtel
Regie/Gesamtleitung Christa Reinicke

 Zum Autor Friedrich Dürrenmatt

Dürrenmatt (1921-1986) gehört zu den bedeutendsten Schweizer Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Ähnlich wie Brecht bediente er sich in seinen Theaterstücken bevorzugt des Stilmittels der Verfremdung und tragisch-grotesker Elemente; er schuf einen eigenen Typus der Tragikomödie, seiner Ansicht nach „die einzig mögliche dramatische Form, heute das Tragische auszusagen“. Dies kommt bereits in seinen frühen Stücken zum Ausdruck: in Es steht geschrieben (1947, Neufassung 1967 unter dem Titel Die Wiedertäufer) über die Sekte der Wiedertäufer im Münster des 16. Jahrhunderts und Romulus der Große (1948, Neufassung 1958), über den Untergang Roms.

Dürrenmatts bis heute populärste Stücke, Der Besuch der alten Dame (1956) und Die Physiker (1962, Neufassung 1980) beleuchten in unterschiedlicher Weise das Problem der absurden Existenz des Individuums in der modernen Gesellschaft. Im Besuch macht Dürrenmatt die Verhaltenskonventionen der Wohlstandsgesellschaft am Beispiel einer korrupten Kleinstadtbevölkerung transparent, die durch das verlockende Geldangebot der Titelheldin alle moralischen Skrupel verliert; in den Physikern geht es um die soziale Relevanz und Verantwortung naturwissenschaftlicher Forschung; Dürrenmatt konstatiert die Hilflosigkeit integrer Kernphysiker gegenüber den Mechanismen der Machtpolitik und kommentiert damit in zynisch-resignativer Manier den aktuellen Zeithintergrund des Kalten Krieges und der permanenten Gefahr eines apokalyptischen Atomschlages..

Zum Hintergrund des Stückes

Dürrenmatt nennt sein Stück „Romulus der Große“ eine „ungeschichtliche historische Kömödie“. Es geht ihm nicht um eine tatsachengetreue Inszenierung der Geschichte; auch interessiert er sich nicht dafür, die gesellschaftlichen Kräfte zu rekonstruieren, die tatsächlich zum Untergang Roms führten. Theater ist für Dürrenmatt Illusionstheater, in dem der Dramatiker die Freiheit hat, eine eigene Welt zu schaffen. Dürrenmatt: „Ich traue mir nicht zu, mit einem Theaterstück die Wirklichkeit wiedergeben zu können; dazu halte ich die Wirklichkeit für zu anstößig, für zu grausam und zu dubios und vor allem für viel zu undurchsichtig. Ich stelle mit einem Theaterstück nicht die Wirklichkeit dar, sondern für den Zuschauer eine Wirklichkeit auf. […] Das Ziel jedes Theaterstückes ist es, mit der Welt zu spielen.“ Das groteske Spiel mit der Wirklichkeit ist es nun gerade, das durch Verwandlung, Verfremdung, Übertreibung die Realität verdeutlichen, bildhaft machen, dem Zuschauer Erkenntnisse ermöglichen soll.

Aus der historischen Wirklichkeit vom Untergang des römischen Reiches macht Dürrenmatt ein gesellschaftskritisches Stück, das zeitlose Themen wie Patriotismus, Militarismus, Kapitalismus und Korruption der Regierenden aufs Korn nimmt und der „Komödie“ tragische Züge verleiht.

Die „totale Mobilmachung“ des Kriegsministers Mares, die „Weltfirma Rupf“ und „Gymnasien, die man jetzt überall in den germanischen Urwäldern errichtet“ sind nur einige Beispiele dafür, dass der Text sich mehr mit den Erscheinungen unserer Zeit als mit historischen Begebenheiten auseinandersetzt.

Dürrenmatt über seinen „Romulus“

Eine schwere Komödie, weil sie scheinbar leicht ist. Damit kann der Literaturbeflissene deutscher Sprache schon gar nichts anfangen. […] [Romulus] spielt zwanzig Jahre den Hanswurst, und seine Umgebung kam nicht darauf, daß auch dieser Unsinn Methode hatte. Dies sollte zu denken geben.

Romulus Augustus war 16, als er Kaiser wurde, 17, als er abdankte und in die Villa des Lukull nach Campanien zog. Die Pension betrug 6000 Goldmünzen, und seine Lieblingshenne soll Roma geheißen haben. Das ist das Historische. […] Ich machte ihn zum Mann, dehnte seine Regierungszeit auf 20 Jahre aus und nannte ihn den „Großen“. […] Es geht mir nicht darum, einen witzigen Mann zu zeigen. […] Romulus gibt einem Reich den Todesstoß, das er mit seinem Witz hinhält. Auch lockte es mich, einmal einen Helden nicht an der Zeit, sondern eine Zeit an einem Helden zugrunde gehen zu lassen. […]

Kaiser rebellieren nicht, wenn der Staat unrecht hat. […] Aber Romulus rebelliert. Auch wenn die Germanen kommen. Dies sei gelegentlich zur Nachahmung empfohlen. […]

Ich bitte, den Staaten scharf auf die Finger zu sehen, und ich sehe ihnen scharf auf die Finger. […]

Es handelt sich nur um Binsenweisheiten. Aber heute ist eine Zeit, in der es leider nur noch um Binsenweisheiten geht. Tiefsinn ist Luxus geworden. […] Wir haben es nicht leicht.“

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